COLDPLAY IM STADE DE SUISSE

Am Mittwoch, 2. September 2009, spielte Coldplay im STADE DE SUISSE.

Bericht, www.bernerzeitung.ch, vom 3. September 2009:

Coldplay und 40'000 bange Blicke nach oben

40'000 bange Blicke gegen oben: Ob der Himmel hält, was er verspricht? Eine klare und trockene Nacht. Der Regen hat am Nachmittag nachgelassen, die Wolken sind mit den Vorbands weggezogen und die am Eingang verteilten Plastikregenmäntel bleiben nun liegen. Alles bestens, weil, sobald es eindunkelt, leuchten im Stade de Suisse die Sterne, die Handykameras und, natürlich, Coldplay.

Coldplay, sie laufen ein mit Wunderkerzen, während sie den Instrumentalsong «Life in Technicolor» anstimmen, schnell geht das, entzückt kreischt das Publikum, tausend Hände klatschen jetzt mit. Und dann endlich, da ist sie: Chris Martins unverwechselbare Stimme. Und da ist auch er. Er trägt ein hellblaues Tuch um den Hals, wie es jetzt Mode ist, und eine altmodisch angehauchte Motorradjacke, beides wird er später ausziehen.

Chris Martin hüpft wie ein Teenager

«Grüezi, hoi zäme», sagt er, das reicht, die Zuschauer toben, denn schon wird zu den zwei grössten Ohrwürmern angestimmt, «Clocks» im roten Licht, «In My Place» im blauen. Beim Refrain ist dann niemand mehr zu stoppen, Chris Martin hüpft wie ein Teenager, lässt auf einem Laufsteg das Publikum nahe an sich heran, was er in den nächsten zwei Stunden noch ein paar Mal wiederholen wird. Mitreissend. Wer kann, singt mit, wer nicht kann, küsst die Freundin. Irgendetwas können alle, mindestens kreischen.

Coldplay können noch viel mehr, was sie in Bern ein weiteres Mal beweisen. Ihre atmosphärischen Lieder klingen gleich professionell wie auf Knopfdruck im Wohnzimmer – doch dort gibt es keinen charismatischen Chris Martin, keine perfekte Choreografie und nicht diese genial ausgetüftelte Lichtshow. Nach Rot und Blau folgt Gelb bei «Yellow», riesige Ballone schweben über dem Publikum, Chris Martin ist ganz nassgeschwitzt.

«Billie Jean»

Violett wirds später auch noch, wild rot blinkend – und ein bisschen rockiger, weniger eingängig mit Liedern wie «42» vom neuen Album «Viva la Vida or Death and All His Friends». Coldplay sind vielfältiger geworden als früher, leider – oder Gott sei Dank? – immer noch gefällig.

Nur der Himmel hat nicht gehalten, was er versprochen hat. Kurz vor dem Tribut an Michael Jackson, «Billie Jean» akustisch vorgetragen, weint der Himmel über Bern. Aber da braucht bereits niemand mehr die Sterne am Himmel, denn sie stehen ja vor einem auf der Bühne. (Berner Zeitung)