AC/DC rockten das STADE DE SUISSE

Bericht aus der Berner Zeitung vom 9. Juni 2010

AC/DC rockte wie eh und je

Hartgesottene AC/DC-Fans sind sich Traditionen gewohnt. So gehörten alte Tour-Shirts, handgestrickte Schuluniformen à la Gitarrist Angus Young, Kravatten und Hüte am Dienstagabend ebenso selbstverständlich zum Konzertoutfit dazu wie die roten Teufelshörner.

Überraschend war sie nicht, die gigantische Bühnenshow, die AC/DC am Dienstagabend im ausverkauften Stade de Suisse bot. Denn wer AC/DC will, kriegt AC/DC - seit bald vierzig Jahren, ungebrochen und energiegeladen. Hier gibts zahlreiche Bilder vom Konzert.

Selbst die eingefleischsten Rocker sind sich nicht zu schade, das nervös blinkende Plastik-Accessoire aufzusetzen. Ehrensache, denn heute Abend besuchen sie nicht einfach ein Konzert. Auf der Bühne stehen AC/DC, die erfolgreichste Hardrock-Band aller Zeiten, und verwandeln das Stade de Suisse während zwei Stunden in den Vorhof zur Hölle, den Highway to Hell.

Dies wird dem Publikum bereits mit dem Einzählen deutlich gemacht. Gefolgt von einer eingespielten Trickfilm-Zugfahrt in Richtung Hölle zünden AC/DC das erste Feuerwerk. Gleichzeitig heizen die Hardrock-Ikonen den 42000 Zuschauern auch musikalisch gehörig ein. Die Nummer passt: «Rock’n’Roll Train», erste Singleauskoppelung des aktuellen Albums «Black Ice».

Für immer Young

Wer ihn auf der 60 Meter breiten Bühne, zwischen Boxen, Scheinwerfern und einer dampfenden AC/DC-Lok noch nicht gefunden hat, erspäht Angus Young spätestens bei seiner ersten Showeinlage. In seinem berühmten Scherenschritt hampelt der Weltmeister unter den Hardrock-Gitarristen über den laufstegähnlichen Bühnenvortsatz. Seit er als 15-jähriger direkt von der Schule in den Proberaum gerannt ist, ohne sich jemals seiner Schuluniform zu entledigen, trägt er massgeblich zum Unterhaltungsfaktor von AC/DC bei.

Das beste Beispiel für sein ausgeprägtes Komikergen liefert Young beim Song «The Jack», wo er inklusive Stripshow (nackt bis auf die AC/DC-Unterhose) das volle Clownprogramm liefert. Aus Spass wird erst Ernst, als er zum Gitarrensolo ansetzt und einmal mehr beweist, dass er nichts besser beherrscht als das.

Noch lange nicht müde

Selbst als Sänger Brian Johnsons nikotingeschädigte Stimme in ein unfreiwilliges Decrescendo übergeht, bekommen die Fans mit «Hells Bells», «Shoot to Thrill», «TNT» und «Highway to Hell» auch weiterhin alle ihre Hits zu hören. Wo es an Stimme fehlt, drehen Angus Young, sein Bruder Malcolm (Rhythmus-Gitarre), Cliff Williams (Bass) und Phil Rudd (Schlagzeug) einen Zacken auf. Und beweisen eindrücklich, dass die Band, die in drei Jahren Vierzig wird, des Hardrocks noch lange nicht müde ist. Während den Teufelshörnern, die zwischenzeitlich im ganzen Stadion blinken, der Pfupf womöglich noch heute Abend ausgeht.

Krokus als Einheizer

Auf ihre alten Stärken haben sich auch die vergleichsweise behäbigen Krokus besonnen: Schon 1980 hatten die legendäre Schweizer Rocker dem Publikum von AC/DC kräftig eingeheizt.

Nach ihrem jüngsten Comeback bekamen sie dazu erneut Gelegenheit - und wurden gefeiert. «Bedside Radio» brachte das Stadion ein erstes Mal zum Kochen. Danach wollte man einfach nur noch mehr von dieser guten, harten Rockmusik.